Die Weblog-Elfen und die PR-Orks
PR-Blogger Klaus Eck veranstaltet Seminare zum Thema Bloggen (offline). Dort will er Öffentlichkeitsarbeitern beibringen, "wie sich Weblogs am besten in Ihre Kommunikationsarbeit integrieren lassen".
Sofort gibt es Protest: Schießlich kann es im ewigen Kampf von Gut gegen Böse keine Kompromisse geben. Die kleinen grünen Gärtchen des Auenlandes der Blogosphäre müssen gegen die dunklen Mächte verteidigt werden, die dieses stillen doch eher lauten Winkel des Glücks ihrer alles beherrschenden Geldgier unterwerfen wollen.
Der einsame Reiter, der sich den Orks des Blog-Ausverkaufs entgegenstellt, hat mächtige Waffen: Seine finaler Boo-Zauber hat schon so manches nassforsche Dotcom zur Strecke gebracht. Seine letzte Warnung an die Weblog-Aspiranten aus den PR-Abteilungen: Lassen Sie die Finger davon.
Nun gibt es zwar so manches Beispiel dafür, dass man unternehmerisches Gewinnstreben durchaus mit Bloggen der Kategorie “nichtärgerlich” vereinbaren kann, aber vielleicht ist das gar nicht das eigentliche Thema.
Sondern vielmehr: Wenn Weblogs mehr sind als Selbstverwirklichungs-Spielplätze für Leute mit zu viel Zeit, nämlich ein ernstzunehmendes Online-Format mit großem Potenzial, dann wird dieses Potenzial zunehmend auch kommerziell genutzt werden. Das ist halt so – das war mit dem WWW generell ja auch nicht anders. Und dann werden große und kleine Unternehmen sich Gedanken über das Führen eigener Weblogs und ihr Erscheinungsbild in anderen Weblogs machen und sich überlegen, welche Strategie sich für sie am meisten auszahlt.
Die Linien im Sand vor Saurons Turm, die jetzt gezogen werden, werden daran nichts ändern. Vermutlich werden nicht alle Elfen Mittelerde verlassen. Aber sie werden damit leben müssen, dass Krawatti-Orks ihre Wege kreuzen. Und sich damit arrangieren.Wetten?
Ach ja – wenn ich mir so überlege, was dieses Blog der Firma gebracht hat, fällt mir noch vor allen handfesten Dingen als allererstes eines ein: Spass.
Simon Hengel
24.03.05
in Auch-wissen-mitreden
Trackback
atom
Elben, nicht Elfen
Ansonsten: Making my day »Die Weblog-Elfen und die PR-Orks« von Simon Hengel. Sehr gelacht. (Ich bremse auch für Frodo.)
— Moving Target 2005-03-24 12:17 #
wenn PR-ler da lernen, dass man Blogger nicht verklagt, weil das ungut kommt, dann isses doch schonmal was.
*g*
— OliverG 2005-03-24 12:21 #
Wer im Internet unterwegs ist, hat längst das Auenland verlassen. Mich erinnert die ganze Diskussion um Gut und Böse arg an die Frühzeit des Internets. Damals war das Business anfangs ebenfalls verpönt. Doch irgendwann konnten sich einige Businessmodelle durchgesetzen, andere sind richtigerweise wieder verschwunden.
Warum müssen wir Deutschen immer wieder Verbote ausprechen? Etwas seltsam mutet es zudem an, dass anscheinend nur wenige diese Blogverbote aussprechen und selbst damit Geld verdienen dürfen. Mir macht es jedenfalls sehr wohl Spass zu bloggen, zumal ich das bereits seit vielen Jahre tue.
— Klaus Eck 2005-03-24 12:25 #
Bringen Blog-Workshops für Unternehmen etwas?
Don meckert über den von Klaus Eck initiierten Workshop. Ich bevorzuge es, nicht so schwarz zu zeichnen wie Don. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, da� mir das Bloggen sehr viel gebracht hat. Einem weiteren Unternehmensblog ebenso, das nach ein...
— MEX Blog 2005-03-24 12:28 #
@Carola: Oh jeh. Ich musste alle drei Bände auf Englisch lesen. Hab deshalb bis heute die Handlung nicht so richtig entwirrt – auch die Filme gabs auf Englisch… und da heisst es “elf”.
— Simon 2005-03-24 13:16 #
Dass es den Bedarf gibt, merken wir wie gesagt an den enormen Rückläufen. Und ich hoffe (bzw. bin mir sicher, wenn ich mir die Teilnehmerliste ansehe), dass wir nicht nur Orks in den Seminaren haben werden :-)
— der Haltungsturner 2005-03-24 14:13 #